Neuropsychologie/Psychologische Therapie


Neuropsychologie

Die gezielte Erfassung und Behandlung kognitiver (Informationsverarbeitung), mnestischer (Gedächtnis) und perzeptiver (Wahrnehmung) Defizite sowie von Störungen der exekutiven Funktionen (vorausschauende Planung) ist eine der vorrangigen Aufgaben der Neuropsychologie. Neben der gezielten Verhaltensbeobachtung und strukturierten Interviews kommen dabei standardisierte und normierte Testverfahren zur Anwendung, die teilweise computergestützt durchgeführt werden und die wichtige Informationen über Störungen der Konzentration und Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses und der Lernfähigkeit, der räumlichen Wahrnehmung und des Vorstellungsvermögens sowie beim schlussfolgernden Denken und der Handlungsplanung liefern. Die Durchführung dieser Art von Diagnostik ist an die aktive Mitarbeit der Patienten gebunden und setzt ein erhaltenes Kommunikationsvermögen voraus. Dies ist zumeist nur in den Rehabilitationsphasen C und D gegeben, in der Phase B steht hingegen die Erfassung und Behandlung von Bewusstseins-, Aufmerksamkeits- und Orientierungsstörungen im Vordergrund.

Die festgestellten Leistungsbeeinträchtigungen können gezielt in Einzeltherapien behandelt werden, bei leichten bis mittelschweren Störungen ist bei guter Kooperationsfähigkeit auch eine Behandlung in Kleingruppen möglich. Prinzipiell stehen dabei zwei unterschiedliche therapeutische Strategien zur Verfügung. Beim verhaltenstherapeutischen Ansatz werden die gestörten Teilleistungen in komplexe, z. B. alltags- oder berufsrelevante Aufgaben eingebettet und so bei der Bearbeitung quasi mittrainiert. Alternativ stehen für die meisten neuropsychologischen Störungen gezielt ansetzende Therapieverfahren zur Verfügung, die wissenschaftlich fundiert sind und deren Effektivität empirisch gesichert ist.

Häufig eingesetzte Therapieverfahren sind:

Störungsbereich Therapieverfahren
Bewusstseinsstörung - Multisensorische Stimulation
- Kommunikationsanbahnung
Aufmerksamkeit - Störungsspezifische, v.a. computergestützte Stimulationsbehandlung
Orientierung - Reorientierungstraining
Gedächtnis - Erarbeitung interner und externer kompensatorischer Strategien
Neglect - Vibrationsstimulation und Explorationstraining
- Visuelles Explorationstraining in Kleingruppen
- Optokinetische Stimulation
Visuell-räumliche Funktionen - Strukturiertes Therapiemanual zur Behandlung von Raumanalysestörungen (z.B. Tangram-Training)
- Computergestütztes kompensatorisches Blickfeldtraining
Exekutive Funktionen - Problemlösetraining
- Verhaltenstherapie
Emotionale Störungen und/oder Verhaltensstörungen - Verhaltenstherapie
- Klientenzentrierte Therapie, Entspannungstraining (AT/PMR)

Auch Apraxien, d. h. Störungen der Handlungsausführung, der Pantomime oder der räumlich-geometrischen Objekterkennung werden in der Neuropsychologie erfasst, ihre Behandlung erfolgt aber zumeist im alltagsrelevanten Kontext in der Ergotherapie. Für den Nachweis eines visuellen Neglects oder von Gesichtsfeldeinschränkungen stehen verschiedene Testmethoden und ein Perimeter zur Verfügung. Therapeutisch besteht die Möglichkeit eines kompensatorischen Blickfeldtrainings, das zum Teil computergestützt in der Neuropsychologie durchgeführt wird, aber auch mit alltagspraktischen Bezügen in der Ergotherapie umgesetzt werden kann.

Neben der Therapie neuropsychologischer Hirnleistungsstörungen spielt die psychologische Unterstützung der Patienten bei der Bewältigung der emotionalen Krankheitsfolgen eine wichtige Rolle. Oft sind sie nach einer Akuterkrankung zunächst verunsichert, traurig oder frustriert und fühlen sich hilflos. Durch eine psychotherapeutische Aufarbeitung der Situation, die darauf abzielt, die bestehende Beeinträchtigung zu akzeptieren, das Selbstwertgefühl zu stabilisieren, die Betroffenen wieder aktiv in ihre Umwelt einzubinden und positive Entwicklungen zu verstärken, kann reaktiv-depressiven Störungen wirksam entgegengetreten werden. In den Behandlungsphasen B und C wird darüber hinaus auch ein psychologisch geleiteter Gesprächskreis für Angehörige angeboten, der es ihnen erleichtern soll, mit der auch für sie veränderten Lebenssituation und Perspektive besser umzugehen.

Als vielfach unterstützende Behandlungsformen zum Stressabbau und zur Entspannungsförderung werden in der psychologischen Therapie das Autogene Training und die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson genutzt. Die verhaltenstherapeutisch ausgerichtete Schmerzbewältigungstherapie stellt ein besonderes Therapieangebot für Patienten mit chronischen Schmerzen dar, das im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie eingesetzt wird.

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